Kanzlerin an Volk

Unter der Überschrift »Gemeinsam sind wir stärker« hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel am 30. Dezember 2005 in einem Brief an die Bürger gewandt.
Der "Brief" wurde als Anzeige in vielen Zeitungen abgedruckt, die Aktion hat ca. 2,9 Millionen Euro gekostet. Der Steuerzahler hat also nicht nur diese knapp 3 Millionen bezahlt, er musste sich auch noch eine Zeitung kaufen, oder sich den Brief aktiv aus dem Internet laden, um in den Genuß der Lektüre zu kommen.
Nachfolgend der Brief im Wortlaut:

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

in den vergangenen Wochen und Monaten bin ich oft gefragt worden, warum ich dieses Land regieren möchte. Bei all den Problemen, vor denen wir zurzeit stehen. Ich entgegne dann immer: weil ich an dieses Land und seine Menschen glaube! Weil Deutschland voller Chancen steckt. Und weil ich davon überzeugt bin, dass wir sie nutzen können. Ich weiß, dass viele von Ihnen genauso denken. Die große Koalition hat den festen Willen, die Probleme zu lösen und die Herausforderungen zu meistern.

An erster Stelle steht die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Ich kann nicht akzeptieren, dass wir für so viele arbeitswillige Männer und Frauen in unserem Land keine Beschäftigung finden. Die Bundesregierung hat damit begonnen, ein neues Klima für Unternehmen zu schaffen. Wir senken die Lohnnebenkosten, damit endlich wieder mehr Menschen in Arbeit kommen.

Wir brauchen die Bereitschaft für Veränderungen. Nur so können wir unseren Wohlstand und das hohe soziale Niveau in Deutschland für uns und die kommenden Generationen bewahren. Deshalb werden wir alles daran setzen, dass die Wirtschaft stärker wachsen kann. Das ist die Voraussetzung dafür, dass unsere Sozialsysteme finanzierbar und leistungsfähig bleiben und der Staat seine Aufgaben erfüllen kann.

Schon in wenigen Tagen beschließen wir ein Sofortprogramm für höheres Wachstum und mehr Beschäftigung über insgesamt 25 Milliarden Euro. Damit investieren wir in bessere Verkehrswege, in Forschung und Technologie, in Gebäudesanierung. Wir entlasten kleine und mittlere Unternehmen. Und wir stärken die privaten Haushalte als Arbeitgeber. Handwerkerarbeiten und Dienstleistungen wie Pflege und Betreuung sind künftig stärker steuerlich absetzbar.

Uns geht es um Zukunftsvorsorge für alle Bürgerinnen und Bürger, um bessere Förderung der Familien, um mehr Kinder. Wir wollen es Eltern leichter machen, für ihre Kinder zu sorgen. Nur wenn unser Land stark und unsere Wirtschaft konkurrenzfähig ist, können wir all denjenigen, die unsere Hilfe brauchen, auch Hilfe geben. Überraschen wir uns damit, was möglich ist und was wir können! Lassen Sie uns unser Land gemeinsam nach vorn bringen. Mit Mut und Menschlichkeit.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien alles Gute für 2006!

Ihre Angela Merkel


Knut Kargel am 01.01.2006 an angela.merkel@bundestag.de

Re: Gemeinsam sind wir stärker

Sehr geehrte Frau Merkel,

ich habe aus den Medien erfahren, dass Sie mir, wie allen anderen auch, einen Brief geschrieben haben. Trotz der hohen Versandkosten konnte mir dieser Brief weder persönlich zugestellt, noch personalisiert verfasst werden. Und das, obwohl meine E-Mailadresse, wie die vieler anderer Bürger, sehr leicht im Internet zu finden ist.
Nun gut, das ist nicht die feinste Art, dennoch habe ich mir die Mühe gemacht, Ihren Brief im Web zu suchen und zu lesen.

Ich will zu vermeiden suchen, dem Versuch zu erliegen, mich auf satirische Weise dem Thema zu nähern. Vielmehr stelle ich mir die Frage, wie eine Physikerin, wie Sie, sich solchen Illusionen hingeben kann. Physiker können rechnen und logisch denken, von Mutmachen und Hoffnungsparolen halten die normalerweise nicht viel.
Und die Fakten sind doch nun mal nicht so, als dass es jemals wieder mehr Arbeit geben würde, sondern durch Automation und Rationalisierung immer weniger. Ein Wachstum ist dort möglich, wo ein Mangel herrscht, wie in China oder Indien, aber nicht dort, wo jeder schon alles dreifach hat und selbst mit Überflüssigem bis am den Hals eingedeckt ist.
Im Gegenteil leben wir seit Jahrzehnten weit über unsere Verhältnisse. Eine Reduktion des Wohlstands auf ein vernünftiges Maß ist, was Fachwissenschaftler seit langem dringend empfehlen. »Die Grenzen des Wachstums« sind so alt, dass sie heute schon kaum noch jemand kennt.
Der Scherz mit den zwei Reiskörnern auf dem Schachbrett ist noch älter, zudem kompakter und leichter zu verstehen; Exponentielles Wachstum funktioniert nicht.
Sind Sie wirklich anderer Meinung? Wohin sollen wir wachsen? Und vor allem: Wovon? Die Erde ist nahezu ausgeplündert, und immer mehr Menschen wollen "Wohlstand". Und Sie sagen: "Mehr davon!"?

Unter Zukunftsforschern ist es unstrittig, dass ein grundsätzlicher Wertewandel dringend ansteht.
Im Grunde ist Ihr Brief ein weiteres Anzeichen dafür, wie verfahren die Situation ist und wie dringend ein Umdenken erforderlich wäre, aber auch für die nicht vorhandene Bereitschaft, die wirklichen Probleme auch nur zu thematisieren. So bezweifle ich, ob Sie Ihr Ziel erreicht haben, so etwas wie Zuversicht und Hoffnung auf die Zukunft zu vermitteln.
Im Gegenteil: Eine Regierungschefin, die vermittelt, dass nur alle guten Glaubens sein müssten und dann ein Wunder geschieht, vermittelt mir nichts anderes als Ihre völlige Ratlosigkeit.

Überraschen wir uns damit, was möglich ist und was wir können - und lassen wir ab von dem was ökologisch unmöglich ist und von dem was wir nicht können (Atomenergie und giftgrüne Gentechnik).
Denn alles andere ist weder mutig noch menschlich!

Mit herzlichem Gruß
Knut Kargel

http://www.atelierkargel.de/?f=ca_merkel

.Mit dem Inhalt dieser E-Mail erklären sich folgende Personen solidarisch:
Die E-Mailadressen sind der Redaktion bekannt.
stephan kirchner aus stuttgart | Matthias Wagner aus Leingarten | Erich Englmeier aus Augsburg | Oliver Erhardt aus Friedrichroda | Torsten G aus M | Stefanie Engels aus wermelskirchen | Steffi Engels aus wermelskirchen | Gloria Nemcsek aus Stein | Rim Khamassi aus Karlsruhe | A. Schneider aus Kirchen | Sandra Vogler aus Marktoberdorf | Ulla Heissenberg aus Ratingen | Heinz Eiden aus D | Edith Joeri aus Neunkirchen-Seelscheid | Elisabeth Kammer aus Hamburg | Diana Distell aus Wermelskirchen | Katrin Wei aus Lindau | Gabi Sautter aus Saarbr | Manfred Sautter aus Saarbr | Gesine B aus Hof | Heike Mierzwa aus N | Mija Johnson aus Karlsruhe | Barbara Anzinger aus Kraiburg | CHRISTINE MAHNKE aus HAMBURG | Helga Zauner aus Wien | Christine Kerenyi aus Rosstal | Birte Jensen aus Hamburg | Bernhard Klingsb aus Bruckm | Tina M aus Frankfurt | Bernhard Frantsits aus Frankfurt | Christianna P aus Dortmund | Rosamaria F aus Ebenhausen | Susana Gomez aus Kassel | Florian Klauder aus Freiburg | Stefan Ickler aus Wittenberg | Hildegard Dr. Jurisch aus Erlangen | Marc Pira aus Bremen | Sonja Taubert aus Bremen | Ursula Feldmann aus Frankfurt | Dieter Lanze aus Butzbach | Elsbeth Benning aus Duisburg | Thomas Zutavern aus karlsruhe | Georg Litty aus T | Paul Sigloch aus Stuttgart | Lothar Schwarz aus Ringsheim | Ruth Aperdannier aus Heilsbronn | Bettina Herzog-Odena aus Lippstadt | Lara Neumann aus K | Hartmut Schmidt aus Weil am Rhein | Udo Schwidden aus K | Hans-Friedrich Hirsch aus Schwarzach | Wolfgang Queck aus Blankenfelde | Michael Lose aus Langen | Peter Moeck aus Hamburg | Maya M aus Hamm | Und Ich


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