An MdB Lehmer
Reaktion auf eine Antwort von Herrn Lehmer auf eine Mailaktion von Campact e.V.
03.03.2006
Sehr geehrter Herr Lehmer,
ihre Argumente für die Freisetzung von GVO (gentechnisch veränderter Organismus) sind sehr oberflächlich und scheinen aus einer Werbeschrift der Gen-Mafia entnommen zu sein.
Die vielbeschworene Wahlfreiheit der Menschen ist längst entschieden: Die Menschen wollen keine GVO in ihrer Nahrung und auf den Feldern. Dies sollten Sie als Demokrat zur Kenntnis nehmen!
Auch die von Ihnen unterstellten Vorteile der GIFTgrünen Gentechnik sind längst durch Tatsachen widerlegt. Ich wundere mich sehr über die Desinformiertheit eines MdB, der doch die Pflicht hätte, sich hintergründiger zu informieren.
Sie schreiben: Alle Sicherheitsforschungsprojekte belegen außerdem, dass sich die genveränderten Pflanzen nicht anders in unserer Umwelt verhalten als die konventionellen Pflanzen.
Schon allein dieser Satz aus Ihrem Schreiben verbietet die Ausbringung von GVO.
Pflanzen, konventionelle wie GVO, haben die Tendenz, jeden zur Verfügung stehenden Lebensraum zu erobern. Sie vermischen durch Bestäubung (Insekten und Wind) ihre Gene über weite Strecken und lassen sich nicht isolieren. Da dies, wie Sie anmerken, auch für GVO gilt, sagen Sie damit selbst, dass eine Koexistenz unmöglich ist. Die GVO werden langfristig die natürlichen Kulturplanzen ausrotten.
Dabei arbeitet die Zeit für die GVO. Denn von konventionellen Pflanzen geht keinerlei Gefahr aus: Niemals wird eine natürliche Pflanze dem GVO den Teufel austreiben. Umgekehrt funktioniert es hingegen totsicher: Ein GVO kann ein ganzes konventionelles Feld verseuchen! Deshalb muss die Freisetzung unbedingt verhindert werden.
Die ebenso vielbeschworene Transparenz ist schon heute nicht gegeben. Meine persönliche Erfahrung[1]: Auf eine Produktanfrage an Campina wurde mir die GVO-Freiheit der Landliebe-Produkte mit grosser Fabulierkunst zugesichert. Wenige Tage später lese ich in einer Pressemitteilung von Greenpeace, dass in dem Landliebefutter bis zu 100% GVO-Mais nachgewiesen wurde. An der Stelle der zugesicherten Transparenz steht in der Realität die bewusste Täuschung der Verbraucher!
Was soll ich als Verbraucher Ihrer Meinung nach tun, um die notwendigen Informationen über Nahrungsmittel zu erhalten, bevor das MHD abgelaufen ist? Wie soll ich die erhaltenen Informationen verifizieren, wenn ich mich nicht auf die Aussagen verlassen kann? Der Einkauf wird zu einem fast unlösbaren Problem, und es geht immerhin nur um einen Becher Jogurt. Halten Sie das für Praktikabel? Welcher Idiot würde so etwas als "Wahlfreiheit" empfinden?
Der Massen-Protest scheint allmählich Wirkung zu zeigen, denn die Gen-Mafia schwenkt auf den Einsatz von GVO zur Energieerzeugung um. Es ist schliesslich egal, auf welchem Sektor der schleichende Einzug gelingt, wenn langfristig der Sieg sicher ist.
Aber auch hier sind die bestehenden Risiken nicht geringer, und die Absicht, aus 6 Meter hohen Maispflanzen Energie zu erzeugen, um dann eine Wüste zurückzulassen, erscheint mir auch eher wie eine Ausgeburt eines sehr schlechten SienceFiction Schreibers, als das seriöse Konzept eines von mir mitbezahlten Politikers.
Ich bezahle Sie, nicht umgekehrt, und ich zahle nicht schlecht. Dafür erwarte ich aber auch und vor allem den Schutz des Allgemeingutes vor der Profitgier von Konzernen, die naturgemäss ethik- und skrupellos sind.
Sofern die Wahlfreiheit der Menschen Ihnen am Herzen liegt, nehmen Sie das Votum der Menschen zur Kenntnis und setzen Sie sich für die Ächtung der GVO und für eine umfassende Auszeichnungspflicht ein. Denn dies ist es, was die Menschen gewählt haben!
Mit freundlichem Gruss
Knut Kargel
[1] http://www.gvo.nothanx.de/?f=campina
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GEGEN GIFTgrüne Gentechnik
http://gvo.nothanx.de
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