Stopp den Walfang

Norwegens Waljäger haben am Samstag, den 01.04.2006, die diesjährige Fangsaison begonnen. Sie wollen dieses Jahr 1052 Zwergwale töten.
2006 sind mehr Wale zur Tötung freigegeben als je zuvor seit Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs 1993. Bereits im letzten Dezember hatte das norwegische Fischereiministerium seine neue Quote veröffentlicht.
Die neue Quote setze sich aus der jährlichen Quote von 745 Tieren und dem Fangdefizit der vergangenen zwei Jahre zusammen, war aus dem Ministerium zu hören. Norwegische Walfänger hatten 2005 bereits im zweiten Jahr in Folge die vorgegebene Fangquote an Walen nicht erreicht.
Norwegen erkennt als einziges Land das Walfangmoratorium der Internationalen Walfangkommission (IWC) aus dem Jahr 1986 nicht an. Zudem behauptet die Regierung in Oslo, dass die Zwergwalpopulation im Nordatlantik durch die Jagd nicht gefährdet werde.

Schreiben Sie an den norwegischen Botschafter!


Die Greenpeace-Schiffe Esperanza und Arctic Sunrise haben am Dienstag, den 20.12.2005, in den frühen Morgenstunden die japanische Walfangflotte im südlichen Polarmeer gestellt. Die Aktivisten forderten die Walfänger auf, das arktische Walschutzgebiet sofort zu verlassen. Acht Schlauchboote kämpften im eisigen Wasser, um das Leben weiterer Meeressäuger zu schützen.

Die Walfänger haben die Esperanza gerammt, ein Schlauchboot ist bereits gekentert. Meiner Meinung nach ist das Selbstjustiz der japanischen Walfänger und für kultivierte Menschen nicht hinnehmbar.
Deshalb habe ich am 22.12.2005 die folgende E-Mail an den japanischen Botschafter in Deutschland, Herrn Toshiyuki Takano, geschickt.

Walfänger im Südpolarmeer

An den Botschafter von Japan
Herrn Toshiyuki Takano
Botschaft von Japan
Hiroshimastraße 6
10785 Berlin
mailto:info@botschaft-japan.de

Walfänger im Südpolarmeer

Sehr geehrter Herr Botschafter Takano,

bei einigen Gelegenheiten hatte ich das Glück, Kulturveranstaltungen mit japanischen Künstlern zu erleben. Zu einigen Künstlern habe ich einen persönlichen Kontakt gefunden und kann mich nur lobend über die japanische Kultur äußern.
Darüber hinaus ist mir die Philosophie des Zen sehr nahe. Ich möchte mich bedanken für die Bereicherung, die mein Leben durch die japanische Kultur erfahren hat.

Gerade jetzt, kurz vor Weihnachten, erreichen mich jedoch Nachrichten, die mich verwirren. Im Südpolarmeer gefährden japanische Walfänger das Leben von Umweltschützern, die sich zum Ziel gesetzt haben, die Wale zu schützen. Auch ich bin der Meinung, dass es eine Sünde ist, die Wale zu jagen. Vielleicht haben Sie dazu eine andere Meinung, unstrittig müsste aber sein, dass niemand das Recht hat, menschliches Leben zu gefährden. Die Walfänger üben eine Selbstjustiz, die sich kultivierten Menschen verbietet.
Dies wirft einen großen Makel auf das hohe Ansehen und die Hochachtung, die ich vor der japanischen Kultur empfinde.
Ich weiß, dass die Wale angeblich zu wissenschaftlichen Zwecken getötet werden. Dieser fadenscheinige Rechfertigungsversuch ist nicht geeignet, ein gutes Licht auf die japanische Wissenschaft zu werfen. Wie viele Wale benötigen die japanischen Wissenschaftler, um tote Wale zu studieren? Nach meinen deutschen Maßstäben müsste ein einziger dafür ausreichen. Warum benötigen die Japaner hingegen jedes Jahr hunderte von toten Walen für ihre Forschungen? Ist dies nicht ein Gesichtsverlust für die japanische Forschung?

Ich bitte Sie, Herr Takano, setzen Sie sich dafür ein, dass der Walfang ein Ende hat! Und setzen Sie sich bitte dafür ein, dass unsere Freunde von Greenpeace nicht im Eis des Polarmeeres den Tod finden, weil sie sich für das Leben der Wale einsetzen.

Ich wünsche Ihnen viel Gesundheit und Erfolg im Neuen Jahr und Ihren Kindern und Kindeskindern eine Welt, in der noch Wale die Ozeane durchpflügen.

Mit Herzlichem Gruß
Knut Kargel

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-> Update vom 10. Januar 2006: Japanische Piraten


Antwort von Herrn Kazuya Otsuka, 1. Botschaftssekretär, vom 28.12.2005 15:47 Uhr

Sehr geehrter Herr Kargel,

Ihren nachdrücklichen Protest gegen den japanischen Walfang zu For­schungszwecken im Nordwestpazifik haben wir erhalten. Wir begrüßen Ihr Engagement für die Wale und sind gerne bereit, mit jedem über diese Angelegenheit zu diskutieren.



Falls Ihr Protest auf der Grundlage des Schutzes bedrohter Walarten erfolgt, teilen wir ihren Standpunkt uneingeschränkt. Japan unterstützt mit großem Nachdruck den internationalen Schutz bedrohter Walarten wie z.B. der Blauwale. Im Rahmen des japanischen Walfangs zu Forschungszwecken im Nordwestpazifik wurden in den letzten Jahren jährlich maximal

· 150 Minkwale (hundert im offenen Meer, fünfzig in Küstengewässern),

· 50 Seiwale (tatsächlich waren es im Jahr 2002 39 Exemplare),

· 50 Brydewale (tatsächliche Fangquote 2002: 50 Exemplare) sowie

· 10 Pottwale (tatsächliche Fangquote 2002: fünf Exemplare) gefangen.

Jedoch bedeutet ein Fang in diesem Ausmaß keinerlei Risiko für den gegenwärtigen Be­stand dieser Walarten. In diesem Forschungsgebiet belaufen sich die geschätzten Popula­tionen der einzelnen Walarten wie folgt:

· Minkwale: 25.000 Exemplare,

· Seiwale: 28.000 Exemplare,

· Brydewale: 22.000 Exemplare sowie

· Pottwale: 102.000 Exemplare

(Nebenbei erwähnt hat der U.S. National Marine Service in einer Untersuchung aus dem Jahr 2000 die Pottwal-Population weltweit auf zwei Millionen Exemplare geschätzt.) Die oben aufgeführten Arten sind daher unter keinen Umständen in ihrem Bestand gefährdet. Die meisten Walpopulationen verfügen über ein Wachstumspotential von ein bis sieben Pro­zent jährlich.

Beunruhigt sind wir über die Tatsache, daß bestimmte Nichtregierungsorganisationen (NGO) in dieser Angelegenheit falsche Informationen in der Öffentlichkeit verbreiten, so daß sich der Dialog zwischen uns und Ihnen schwieriger gestaltet. Beispielsweise stellt der oben ge­nannte Walfang keinen kommerziellen Walfang dar (auch wenn einige NGO das Gegenteil behaupten). Die Forschungsaktivitäten umfassen sowohl letale als auch nicht-letale Untersu­chungsmethoden; sie wurden mit großer Sorgfalt von Wissenschaftlern entwickelt, um die Walpopulationen sowie die ökologische Rolle dieser Arten zu studieren. Japan beschränkt die Zahl der zu fangenden Wale auf ein Mindestmaß, durch das noch aussagefähige wissen­schaftliche Ergebnisse erlangt werden können. Die Planung dieser Forschung und ihre Re­sultate werden jedes Jahr vom Wissenschaftlichen Komitee der Internationalen Walfang­kommission (IWC) geprüft. Die IWC ist zu keiner Zeit zu dem Schluß gekommen, daß nicht-letale Methoden unsere Forschung ersetzen können.

Nichtsdestotrotz setzt sich Japan dafür ein, die nicht-letalen Methoden im Rahmen seiner Forschung auszuweiten. Der Walfang zu Forschungszwecken stellt keineswegs einen Ver­stoß oder den Mißbrauch eines Schlupflochs in bezug auf das betreffende internationale Übereinkommen dar. Es ist vielmehr legitimes Recht der Vertragsstaaten gemäß Artikel VIII des Internationalen Übereinkommens über die Kontrolle des Walfangs (ICRW). Walfleisch wird auf Märkten zum Verkauf angeboten, jedoch wird uns dies in Artikel VIII des ICRW vor­geschrieben. Durch den Verkauf von Walfleisch erzielt Japan keinerlei Profit. Ein nicht kom­merziellen Interessen verpflichtetes Forschungsinstitut, das mit der Ausführung des For­schungsprogramms betraut ist, veräußert die Nebenprodukte, um einen Teil seiner For­schungskosten zu decken. Der andere Teil der Kosten wird aus Regierungsmitteln gedeckt.

Es ist voreilig zu behaupten, die „Welt“ sei gegen Walfang. Es stimmt, daß Länder, die ge­gen den Walfang sind, im Rahmen der IWC ein Verbot des Walfangs befürworten. Jedoch sind eine ganze Reihe von Ländern gegenteiliger Auffassung. Während der Zusammen­künfte in bezug auf das Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten frei­lebender Tiere und Pflanzen (CITES) 1997 und 2000 unterstützten etwa 40-50 Pro­zent der teilnehmenden Länder unsere Position. Wir bitten Sie daher zu erkennen, daß Sie nicht alle Informationen in Bezug auf diese Angelegenheit kennen. Schließlich möchten wir noch dar­auf hinweisen, daß Walfang nicht länger ein Thema der Arterhaltung darstellt wie noch in den siebziger Jahren, als verschiedene Walarten übermäßig gefangen und daher wirksame Maßnahmen für den Schutz bedrohter Arten gefordert wurden. Die IWC hat in die­sem Zu­sammenhang Mitte der siebziger Jahre hervorragende Arbeit geleistet, um Blauwale und andere gefährdete Arten zu schützen; Japan bewertet diese Anstrengungen außeror­dentlich positiv.

Jedoch hat sich seit den achtziger Jahren die Situation verändert, nachdem auch nicht ge­fährdete Walarten durch das IWC geschützt wurden, obwohl das Wissenschaftliche Komitee des IWC Berechnungen angestellt hatte, denen zufolge bestimmte Walarten in großen Be­ständen vorhanden waren. In den neunziger Jahren haben Wissenschaftler berechnet, daß die weltweiten Walpopulationen jedes Jahr zwischen 280 und 500 Millionen Tonnen Fisch und Schalentiere konsumieren. Dies entspricht der drei- bis sechsfachen Menge dessen, was von uns Menschen weltweit pro Jahr gefangen wird. Die ökologischen Konsequenzen eines totalen Schutzes der Wale sollten unter diesen Umständen neu bewertet werden. Ge­gen den Walfang zu sein, bedeutet nicht automatisch auch umweltbewußt zu sein.

Wir wissen Ihr Interesse in bezug auf dieses Thema sehr zu schätzen und Japan wird sich stets dafür einsetzen, einen konstruktiven Meinungsaustausch über den Walfang zu ermögli­chen. Ich hoffe, daß meine Ausführungen dazu beitragen konnten, das Verständnis für die Position Japans etwas zu verbessern und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Kazuya OTSUKA

1. Botschaftssekretär

Abteilung für Kultur und

Öffentlichkeitsarbeit

P.S.: Weitere detaillierte Informationen erhalten Sie unter http://www.icrwhale.org (Institute of Cetacean Research [Institut für Walforschung], Tokyo, Japan), sowie unter http://www.iwcoffice.org (Internationale Walfangkommission, Cambridge, Großbritannien).


Knut Kargel am 02.01.2006

Sehr geehrter Herr Otsuka,

vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Entschuldigen Sie, wenn ein falscher Eindruck entstand; ich bin keineswegs der Meinung, in dieser Angelegenheit alle Fakten zu kennen. Diesen Anspruch kann wohl niemand erheben ohne vermessen zu sein.
Zahlen und Statistiken sind durchaus auf vielfältige Weise zu erlangen zu interpretieren. Der eine sagt, 40 bis 50% der Staaten sind für den Walfang, der andere liest aus den selben Zahlen, dass 60% dagegen sind.
Der eine sagt, die Wale fressen dreimal soviel Fisch wie die Menschen - aber was ist mit dem Beifang? Was mit der Zerstörungswut der Grundschleppnetze? Wer dies einrechnet, kann leicht zu gegenteiligen Überzeugungen kommen.
Nein, so leichtgläubig kann niemand sein, als dass er den "Verlust" durch ein paar Millionen Wale, die nur ernten, was sie auch fressen, höher einschätzt als den Verlust durch Milliarden von Menschen, die mit hochtechnisierten Mitteln über das notwendige Maß hinaus eine gewaltige Zerstörung anrichten. Wir haben Probleme mit dem Fischbestand, weil die Menschen die Gewässer gnadenlos überfischen, nicht weil die natürlich vorkommenden Wale ihr tägliches Brot verzehren.
Wenn es der Fischbestand ist, der Ihnen Sorgen bereitet, dann müssen Sie gegen die industrielle Fischerei und deren Praktiken vorgehen, nicht gegen die Wale!

Aber ich will mich nicht um Zahlen streiten. Ich bleibe dabei, dass es kein gutes Zeugnis für die japanische Wissenschaft ist, jedes Jahr aufs Neue tote Wale zu benötigen. Wissenschaftliche Erkenntnisse belegen inzwischen, dass selbst niedere Tiere, wie Fische, über Bewußtsein und Emotionen verfügen, was ich nie bezweifelt habe. Selbst für niedere Tiere müssen also, wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge, die Tötungspraktiken kritisch hinterfragt werden. Höhere Säuger, wie Wale, kann man nicht auf barbarische Art abschlachten und das mit wissenschaftlichen Gründen rechtfertigen. Nicht nach dem heutigen Stand der Wissenschaft.

Der Walfang jedoch ist nur die eine Sache, die mir missfällt. Auf mein weiteres Anliegen, den menschengefährdenden Einsatz der japanischen Walfänger, sind Sie leider nicht eingegangen.
Gerade dies jedoch erscheint mir vollends inakzeptabel und wirft einige unangenehme Fragen auf.
Wenn es wirklich eine so geringe Zahl an Walen ist, die Japan jährlich "für Forschungen benötigt", und keinerlei andere Interessen dahinter stehen als die Forschung - wie ist es dann möglich, dass die Gefährdung von Menschenleben in Kauf genommen wird?
Sie sind der Meinung, dass die Walfänger zu Recht an diesem Ort jagen. Ich bin der Meinung, dass sind die Schlauchboote dort rechtmäßig aufhalten. Diese Kontroverse kann Gegenstand von ordentlichen Gerichtsverhandlungen sein, ist jedoch keine Rechtfertigung für Lynchjustiz.
Wer die Videos aus dem Südpolarmeer kennt, gewinnt den Eindruck, dass die Walfänger nicht nur das Leben der Wale allzu gering achten.
Wenn es wirklich der Fall wäre, dass die NGO "Greenpeace" die berechtigten Interessen der japanischen Walfänger in unrechtmäßiger Weise stört, wäre es ein Leichtes, auf dem Rechtsweg einen Schadensersatz von Greenpeace zu erwirken, vielleicht sogar die Schiffe zu beschlagnahmen.
Die japanischen Walfänger üben mit ihren Wasserkanonen aktive Gewalt aus, die in Anbetracht der Umstände die Gefährdung von Menschenleben billigend in Kauf nimmt.

Zitat aus meiner ersten Mail: "Vielleicht haben Sie dazu [zum Walfang] eine andere Meinung, unstrittig müsste aber sein, dass niemand das Recht hat, menschliches Leben zu gefährden."

Sie sehen: Ich habe Ihnen eine andere Meinung zum Walfang zugestanden. Von einer Einigkeit in dieser Frage bin ich von vornherein nicht ausgegangen. Meine eigentliche Frage war die nach der Rechtfertigung der Gewalt gegen Menschen seitens der Walfänger!
In dieser Frage haben Ihre Ausführungen mein Verständnis für die Position Japans leider in keiner Weise befördert.
Wie weit soll das Ganze gehen? Muss tatsächlich erst ein Greenpeacer zu Tode kommen, bevor Vernunft einkehrt?



Mit freundlichen Grüßen
Knut Kargel

http://www.atelierkargel.de/?f=ca_wale



Bisher keine Antwort von Herrn Otsuka.

Printed from nothanx.de 05.09.2010