Freisetzung von Gen-Mais

Das Bundessortenamt in Hannover hat am Mittwoch, den 14.12.2005, drei genmanipulierte Bt-Maissorten zugelassen. Alle drei dürfen damit im kommenden Jahr erstmals ohne Mengenbegrenzung angebaut werden. Dabei hat ein erst kürzlich abgebrochener Fütterungsversuch mit Gen-Erbsen in Australien gezeigt, dass die Gefahren von Gen-Food bislang unterschätzt wurden.

Die folgende E-Mail habe ich am 14.12.2005 die Abgeordneten der CDU/CSU gesendet.

BT-Mais Zulassung

Sehr geehrte(r) Herr/Frau [Name],

Das Bundessortenamt in Hannover hat am Mittwoch, den 14.12.2005, drei genmanipulierte Bt-Maissorten zugelassen. Alle drei dürfen damit im kommenden Jahr erstmals ohne Mengenbegrenzung angebaut werden.

Ich protestiere aufs Schärfste gegen diese unverantwortliche Entscheidung!
Die selbstverständlichsten und simpelsten Vorsorgeuntersuchungen wurden unterlassen. So wurde der Gen-Mais bisher nicht einmal an Tiere verfüttert!

Alle bisherigen Zusicherungen, die Freisetzung von GVO strengen Sicherheitsrichtlinien zu unterwerfen, werden mit dieser Zulassung ad absurdum geführt.
Gleich zu Beginn der Amtszeit der Schwarz-Roten Regierung wird damit jegliches Restvertrauen verspielt und den Menschen unmissverständlich die Missachtung ihrer elementarsten Interessen zum Ausdruck gebracht.
Einer Bananenrepublik mag dies angemessen sein, in einer Demokratie ist so etwas kriminell. Oder wie würden Sie, %anrede% %name%, es bewerten, wenn der erklärte Wille einer 80%igen Mehrheit der Bevölkerung von den angeblich dem Grundgesetz verpflichteten Volks-Vertretern skrupellos missachtet wird?

Sie, als gebildeter Mensch, müssen sich doch über die Dimension dieser Angelegenheit halbwegs im Klaren sein! Deshalb will ich nicht die zahlreichen und wohl bekannten Argumente wiederholen, die eine Freisetzung von GVO verbieten.
Als mitverantwortliches Regierungsmitglied fordere ich Sie ganz persönlich jedoch auf:

1. Mir einen einzigen triftigen und den Allgemeinwohl verpflichteten Grund für die Freisetzung von GVO im Allgemeinen und für die zugelassenen BT-Mais-Sorten im Besonderen zu nennen.

2.1. Legen Sie mir dar, wie die langfristig unausweichlichen Schäden durch den Ausgleichsfond bewältigt werden können. Mit wie vielen Billiarden Euro wird die Ausrottung unserer natürlichen Kulturpflanzen "ausgeglichen"?
2.2. Wie können Sie die absurde Schlußfolgerung vertreten, dass realistische Haftungsregeln den Anbau von GVO unmöglich machen? Es sind die Risiken, die so hoch sind, dass sie jede Haftungsfähigkeit sprengen!

3. Erklären Sie, welche Konzepte vorliegen für die Bewältigung der unkalkulierbaren Folgen, die zwar z.Z. unbekannt sind, deshalb aber nicht ausbleiben werden?

4. Wie bringen Sie die Freisetzung von BT-Mais mit Ihrem Amtseid in Einklang, in dem Sie geschworen haben, den Nutzen des Deutschen Volkes zu mehren? Welches Demokratieverständnis rechtfertigt die Missachtung des absoluten Mehrheitswillens der Bevölkerung?

5. Wie erklären Sie persönlich die Aussage, dass konventionelle Landwirte genauso wertvoll seinen, wie biologische Landwirte? Erstere veröden die Böden durch Monokulturen und Kunstdünger um pestizidbelastete Erzeugnisse zu Dumpingpreisen anzubieten, die in Ermangelung von Vitalstoffen nur mit größter Toleranz als Lebensmittel bezeichnet werden können, während letztere mit viel Mühe und persönlichem Engagement durch ihre Arbeit nicht nur hervorragende Lebensmittel produzieren, sondern durch die nachhaltige Bewirtschaftung des Landes einen guten Boden bereiten für folgende Generationen. Sehen Sie diesen Unterschied nicht???

Das sind einfache Fragen, die jeder Regierungsverantwortliche (und natürlich Horst Seehofer im Besonderen) erschöpfend und befriedigend beantworten können sollte! Ich bin sehr auf Ihre Argumente gespannt.
Ich erwarte von Ihnen, dass Sie mit Nachdruck die Fehlentscheidungen auf diesem Gebiet anprangern und helfen, diese zu korrigieren.

Es ist nicht hinnehmbar, dass die Regierung sich völlig vom Volkeswillen ablöst! In existentiellen Fragen, wie Freisetzung von GVO oder Einsatz von Nuklearenergie sollten Volksabstimmungen möglich gemacht werden.

Mit freundlichen Grüßen
Knut Kargel

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Infos

Ziele der Gentechnik
Bisher gibt es nur zwei Eigenschaften, durch die sich GVO auszeichnen:
Entweder produzieren sie selbst Pestizide oder sie sind gegen Pestizide resistent.
Über 85% der Resistenzen beziehen sich auf ein einziges Pestizid: Roundup von Monsanto.
Es geht also darum, Pflanzen zu erzeugen, auf die man mehr und wirksameres Gift kippen kann.

Risiken der Freisetzung von GVO
• Durch den unkontrollierbaren Pollenflug werden andere Nutzpflanzen kontaminiert. Langfristig läuft das auf die Ausrottung der natürlichen Nutzpflanzen hinaus.
• Die Auswirkungen von gentechnisch veränderten Lebensmitteln auf den Organismus sind nur sehr unzureichend erforscht. Neuere Untersuchungen zeigen signifikante Veränderungen in den Zellen von Mäusen, die mit GVO gefüttert wurden.
• Die Freisetzung von GVO ist irreversibel. Einmal in die Welt gesetzt, werden wir sie nie wieder los.
• Die Zusammenhänge und Interaktionen von GVO mit der restlichem Biosphäre sind bisher kaum erforscht. Neue Untersuchungen zeigen, dass gerade diese Interaktionen wesentlich relevanter sind, als die einzelnen veränderten Gene. Diese Zusammenhänge sind aber so komplex, dass niemand behaupten kann, er könne das Risiko auch nur annähernd abschätzen.
• Der Einsatz von GVO begünstigt den Einsatz von Pestiziden, von denen man nicht behaupten kann, dass ein Mangel an ihnen in unserer Nahrung bestünde. Oder braucht jemand mehr Pestizide?
• Es werden fragwürdige und kurzfristige Vorteile weniger Konzerne gegen unkalkulierbare langfristige Nachteile der Gesamtheit eingetauscht.
• Das Wissen um biologische Landwirtschaft verkümmert zugunsten einer mittelalterlichen Giftpanscherei.

Umfangreiche Infos zum Thema Gentechnik finden Sie im Einkaufsnetz de.einkaufsnetz.org/gentechnik/

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Printed from nothanx.de 05.09.2010